Freitag, 5. Juni 2015

Brustpflege mit Silberhütchen

Bei Reizung und Hautirritation: Silberhütchen

Bei Wunden und Irritationen werden die Silber-Brusthütchen von Silverette einfach zwischen den Stillmahlzeiten auf die Brust aufgesetzt und unter dem BH getragen. Sie sind völlig hygienisch und äußerst effektiv, denn Silber ist ein natürliches und traditionelles entzündungshemmendes Heilmittel, es hat eine beruhigende Wirkung und antibakterielle Eigenschaften. Das hat auch eine Studie belegt: http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/bfm.2014.0177?journalCode=bfm

Jetzt gibt es diese kleinen Wunderdinger endlich auch in Deutschland: www.silverette.de

Donnerstag, 4. Juni 2015

Stillprobleme schnell beseitigt!


Stillstörungen rasch behandeln

Bei Problemen in der Stillzeit gilt dasselbe wie bei Neugeborenen: es darf nicht lange dauern, bis die Behandlung greift.

Wunde Brustwarzen, Schmerzen beim Stillen, Milchstau, Mastitis, Probleme mit dem Milchfluss wie zu wenig oder zu viel Milch - hier kann und muss die Hilfe rasch wirken. Das richtige homöopathische Mittel bringt innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen nachhaltige Heilung in Gang.
Je nach Befund kann parallel dazu eine craniosacrale Behandlung des Babys sinnvoll sein, beispielsweise wenn es aufgrund von Verspannungen die Brustwarze "quetscht".

Hier freut es mich immer ganz besonders, wenn ich helfen kann, weil Schmerzen beim Stillen so belastend sind - und so unnötig!

Ein Beispiel aus meiner Praxis:
Frau S. kam zur Behandlung wegen wiederholter, sehr schmerzhafter Milchstaus. Eigentlich hatte sie sich vorgestellt, ihr Baby länger zu stillen, aber jetzt dachte sie verständlicherweise an´s Abstillen. Davor wollte sie einen letzten Versuch mit Homöopathie wagen. Da während des Anamnesegesprächs ihre Brust bereits wieder zu schmerzen begann, bekam sie das individuell passende Mittel noch in der Praxis verabreicht. Wie verabredet rief sie mich am nächsten Tag an. Sie berichtete: "Schon eine Stunde nach der Einnahme begann die Milch zu fließen und seitdem habe ich zum ersten Mal seit Wochen überhaupt keine Schmerzen mehr in der Brust. Vielen Dank!" Dies liegt jetzt einige Monate zurück, Frau A. hatte nie wieder Beschwerden, sie und ihr Baby genießen die Stillzeit.


Sonntag, 30. November 2014

Wie Eltern Ruhe bewahren, wenn das Baby schreit

Deutscher Kinderschutzbund: „starke eltern – starke kinder“

Jahresheft 2014
Die Journalistin Anke Gasch bat mich um ein ausführliches Interview für den Jahresheft-Leitartikel des Deutschen Kinderschutzbunds. Dieses umfassende Magazin mit dem Namen "starke eltern – starke kinder" erscheint jährlich seit 1998 und beleuchtet dabei immer ein bestimmtes Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven. Im Jahr 2014 lautete dieses Thema:

Kein Stress für frischgebackene Eltern“

Kaum ist das Baby da, ist es vorbei mit der inneren Ruhe. Und das oft selbst bei den Eltern, die vorher zu den „total Entspannten“ zählten. Plötzlich möchten wir immer alles richtig machen. Aber was ist „das Richtige“? Was brauchen Kinder wirklich, um gut zu gedeihen? Welche Ängste und Sorgen sind berechtigt – und welche überflüssig?

Schau mal, wer da spricht: Babys Signale richtig deuten 

Babys sprechen mit ihrem Körper und mit Lauten. Wenn ein Baby weint, heißt das immer, dass es sich nicht wohlfühlt. Dumm ist nur, dass das Weinen alles Mögliche bedeuten kann. „Du hältst mich nicht richtig!" etwa. Aber auch: „Mein Popo brennt.", „Hilfe! Wo bist du? Ich fühl mich so allein!", „Hunger!" und so weiter ...
Und dann stehen wir Eltern oft hilflos da, mit den geliebten Wesen im Arm, und flüstern „Was hast du nur?" – Das muss nicht sein, weiß Schreibaby-Fachfrau Vivian Weigert: „Im Grundsatz sind es sechs Dinge, die Eltern abprüfen können. Und das recht fix." Hier sind sie:

 
Hast du Hunger/Durst?
Um das herauszufinden, brauchen Sie nur zu schauen, ob Ihr Kind etwas trinken würde. Ganz einfach: die Brust anbieten. Wenn Sie die Flasche geben und nicht immer sofort eine zubereiten möchten, sehen Sie sich Ihr Baby genau an: Wirkt sein Körper angespannt? Macht es Schmatz-Geräusche? Öffnet es seinen Mund, wenn Sie ihm direkt neben den Lippen über die Wange streichen? Bewegt es dabei suchend den Kopf? Dann hat es höchstwahrscheinlich Hunger oder Durst. Weigert: „Ein Baby darf Pre-Nahrung oder Mamas Brust jederzeit haben, es sei denn, Mamas Busen braucht gerade Schonung. Dass Babys Bauchschmerzen bekommen, wenn frische auf halbverdaute Milch trifft, ist völliger Humbug. Sie glauben gar nicht, wie viele Schreibabys in meine Praxis getragen wurden, die gar keine gewesen sind. Da war nur den Eltern gesagt worden, ihre Kinder dürften nur alle drei oder vier Stunden trinken. Dabei brauchen viele Babys kurz nach dem Stillen noch ein kleines Dessert, so zwei bis vier Nachschlucke. Und dann sind sie zufrieden und ruhig. Andernfalls müssen sie oft eine ganze Stunde herumgetragen werden. Kinder im ersten Lebensjahr können Sie so auch nicht verwöhnen, da gibt es keine Wünsche, sondern nur Bedürfnisse."

Bist du müde?
Ist Ihr Baby müde, will es nicht trinken, sondern weint und quengelt auch dann weiter, wenn Sie ihm die Brust oder die Flasche anbieten. Vor allem lässt es sich dann nicht ablegen. Es schreit, sobald es allein ist oder keinen Körperkontakt mehr spürt. Es wird ruhig, sobald Sie es auf den Arm nehmen. Manchmal reibt es sich die Augen oder die Ohren.
Weigert: „Müde Babys halten keinen Blickkontakt. Sie wenden den Kopf ab, wenn man sie anschaut. Das ist keine Ablehnung, sondern heißt nur: Ich brauche jetzt Ruhe."

Zwickt dein Bauch?
Ihr Baby fängt etwa eine halbe Stunde nach der letzten Mahlzeit an zu quengeln? Dann könnte es „Verdauung haben", meint Vivian Weigert. „Das Verdauungsempfinden ist für Babys noch neu, es fühlt sich für sie einfach nicht wohlig an. Manchen macht das ungewohnte Rumoren sogar Angst." Was Babys dann brauchen, ist Zuspruch und Zuwendung. Sagen Sie Dinge wie „Alles wird gut, mein Schatz, das ist nur die Verdauung! Das gehört zum Erdenleben dazu, das ist ganz normal. Ich bin für dich da. Bei mir bist du sicher." Was Sie sonst noch tun können? Legen Sie sich Ihr Baby über die Schulter und bewegen Sie es dabei sanft auf und ab. Oder setzen Sie sich mit dem Baby auf einen Pezziball und wippen leicht."

Bist du überreizt?
Wenn Ihr Baby sich an Ihrem Körper nicht beruhigt, könnte es überreizt sein. Was hilft? Stellen Sie zunächst alle Reize aus der Außenwelt (Radio, Fernseher ...) ab. Bieten Sie kein Spielzeug mehr an und auch keine Streicheleinheiten. Halten Sie Ihr Kind ruhig im Arm. Dabei können Sie wiegend hin- und hergehen, auf dem Pezziball wippen, abfallende Töne summen. „Weigert: Wichtig ist nur, dass Sie das Baby dabei total in Ruhe lassen, es also nicht ansprechen!"

Hast du Schmerzen?
Hat das Baby Schmerzen, schreit es plötzlich und schrill. Dabei ist sein Körper stark angespannt. Sie wissen nicht, warum Ihr Baby so ausdauernd „Alarm!" schreit? Rufen Sie Ihren Kinderarzt an und/oder Ihre Hebamme und bitten diese um Rat. Weigert: „Fahren Sie auch ruhig in die Kinderklinik oder rufen Sie den Notarzt. – Erfahrung kommt nun mal erst mit der Zeit."

Möchtest du spielen? Oder kuscheln?
Babys, die Aufmerksamkeit wollen, quengeln oder knöttern leise. Ob Ihr Baby tatsächlich Kontakt will oder spielen möchte, erkennen Sie, sobald Sie sich ihm zuwenden. „Dann beruhigt sich das Kleine rasch, konzentriert sich auf sein Gegenüber und sucht Blickkontakt", erklärt Weigert. Manchmal reicht es, wenn das Baby Mama oder Papa wie eine Ladestation nutzen darf: Es tankt sein Kuschel-Akku kurz auf und kann dann gut allein weiterspielen.


Feierabend für frischgebackene Eltern? Gibt es nicht!


Aber eine HAPPY HOUR: den frühen Nachmittag
In jedem Land der Erde erreichen Babys zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche den sogenannten „Schreigipfel". Etwa die Hälfte der täglichen Schreidauer fällt auf die Abendstunden, meist auf den Zeitraum zwischen 17:00 und 22:00 Uhr. „Im zweiten Lebensmonat geht fast kein Baby vor 23:00 Uhr ins Bett", berichtet Schreibaby-Fachfrau Vivian Weigert. „Eltern stellen sich also idealerweise darauf ein, dass sie jetzt einen Job haben, bei dem der Abend die Hauptarbeitszeit ist." Was hilft, diese Zeit zu überstehen?
1. Nutzen Sie den frühen Nachmittag, um sich auszuruhen. In dieser Zeit sind die meisten Babys entspannt.
2. Probieren Sie am Abend das „Clusterfeeding" aus, auch Dauerstillen oder Lagerfeuerstillen genannt: Lassen Sie Ihr Baby an die Brust/Flasche, wann immer es möchte. (Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Babys, die häufig gestillt oder gefüttert werden, weniger schreien!)
3. Machen Sie zu dritt einen Abendspaziergang mit Baby.
4. Das Wissen, dass es sich hier um eine Phase handelt. Sind die Babys vier Monate alt, werden die Abende wieder ruhiger.
 


Ruhe bewahren, wenn das Baby schreit


Wie soll man entspannt bleiben, wenn das Baby weint und weint und man so gar keine Ahnung hat, warum? 


„Häufig ist es so, dass die Kleinen überreizt sind", erklärt „Babyeltern-Beraterin" Vivian Weigert. Sie hilft regelmäßig Eltern, „ihr Baby zu lesen" und weiß: „Überreizte Babys knöttern und weinen selbst dann noch, wenn sie satt sind und von den Eltern herumgetragen werden." In solchen Fällen können Eltern und Kind sich in ihrer Unruhe sogar gegenseitig hochschaukeln. Merken Eltern, dass das gerade passiert, können sie zwei Sachen tun. „Die erste ist, die eigene innere Haltung zu ändern", erläutert Weigert. „Und zwar, indem sie ihre Sorge loslassen und darauf vertrauen, dass ihr Baby gerade gut für sich selbst sorgt, weil es seinen Stress durch Schreien abreagiert. Gut ist, wenn Eltern das Baby dabei noch flüsternd bestätigen – mit einem: ,Das machst du echt prima! Schreien kannst du wirklich gut.‘"

Was Eltern lieber lassen sollten: Laut „Was hast du bloß?" zu fragen oder das Baby anzuflehen, es möge doch mit dem Weinen aufhören. „Weil beides die Unsicherheit der Eltern an das Baby weiterleitet und es überfordert."

Das zweite, was Eltern tun können ist: „Sich bemühen, ohne die ,Hilfe‘ des Babys ruhiger zu werden, also obwohl das Baby immer noch weint. – So wie Eltern sich wünschen, dass das Baby nicht schreit, wünschen sich alle Babys, dass ihre Eltern stets ruhig wie ein Fels in der Brandung sind." Wenn das Baby so lange weiterschreit, bis die Eltern sich so unzulänglich oder ohnmächtig fühlen, dass sie wütend werden - dann sollten sie die Reißleine ziehen: das Baby an einem sicheren Ort ablegen, etwa in seinem Bettchen, und für ein paar Minuten hinausgehen. „Und diese kurze Ruhezeit nutzen Sie, um sich selbst zu beruhigen", erzählt Weigert. „Fragen Sie sich dazu, was Sie brauchen, um vom Stress runterzukommen. Vielleicht hilft es Ihnen, laut stampfend hin- und herzugehen? Vielleicht müssen Sie auch nur mal einen Happen essen? Etwas trinken? Sich ganz kurz am Telefon bei Ihrem Partner oder einer Freundin ,entladen‘? ... Sie werden sehen: schon nach wenigen Minuten haben Sie neue Kraft, können eine neue Lösung finden." Etwa die, das Baby in den Kinderwagen zu legen und eine Runde mit ihm zu drehen.





 



Neugeborenes - Baby - Kleinkind

 
Klassische Homöopathie von Anfang an

Schon die kleinsten Menschen können vielfältige Probleme haben. Zu den Beschwerden, die sich homöopathisch gut behandeln lassen, gehören zum Beispiel:
  • Blähungen, Durchfall, Verstopfung
  • Neurodermitis und andere Hautprobleme 
  • Allergien, Milchunverträglichkeit
  • Gedeihstörungen- mangelnde Gewichtszunahme
  • Neugeborenen-Schnupfen und verstopftes Näschen
  • Zahnungsbeschwerden
  • fieberhafte Infekte wie Husten, Bronchitis, Ohrentzündung
  • schlechte Schlaf-/Wach-Regulation
  • Entwicklungsprobleme   
  • exzessives Trotzen im Kleinkindalter
  • Eifersucht bei der Geburt eines Geschwisterchens
  • Eingewöhnungsprobleme im Kindergarten oder Krippe, Bettnässen.... 
    (Weitere Beschwerden: siehe unter Osteopathie) 
Baby-Homöopathie erfordert Erfahrung
Die jahrzehntelange Erfahrung mit Säuglingen erleichtert es mir jeweils sehr, das richtige homöopathische Mittel (Similimum) schnell zu finden. Wenn es darum geht, zwischen ein paar wenigen, eingekreisten Mitteln das einzig Richtige zu bestimmen (Differenzialdiagnose - eine der wichtigsten Fertigkeiten in der klassischen Homöopathie), ist eine genaue Kenntnis dessen, was für Babys im jeweiligen Alter normal ist, unverzichtbar. Dies betrifft das Schlaf-Wach-Verhalten, die Verdauung, die Zahnungssymptome, Appetit/Trink-/Ess-Verhalten, um nur einige Stichworte zu geben.

Die homöopathische Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch, der sogenannten Erst-Anamnese. Abgesehen vom akuten Notfall - wo nur die augenblickliche Situation Hilfe erfordert  - dauert diese "Fallaufnahme" ein bis zwei Stunden, mit (anschließender) Computerrepertorisation, Materia-medica-Vergleich/Differenzial-Diagnose und Verordnung des passenden homöopathischen Mittels. Später wird dann bei einer Folge-Anamnese die Wirkung des Mittels beurteilt und die weitere Vorgehensweise bestimmt. Es ist normal in der homöopathischen Behandlung, dass die Symptome noch einmal oder auch mehrmals wiederkehren, nachdem sie zuerst nachgelassen hatten oder verschwunden waren. Dann muss jeweils klar beurteilt werden, ob dasselbe Mittel in derselben Potenz wiederholt werden muss, ob man noch abwartet, oder ob eine neue Potenz, ein neues Mittel den direktesten Weg zur weiteren Heilung vorgeben. 
Vieles kann in der homöopathischen Behandlung telefonisch abgeklärt werden, sobald das Kind seit einer gewissen Zeit in Behandlung ist oder zumindest die Fallaufnahme gemacht worden ist. Das ist bei akuten Beschwerden und Infektionen, wie sie bei kleinen Kindern häufig vorkommen, für Sie als Eltern nicht nur eine bequeme und kostengünstige sondern auch sehr beruhigende Form der Behandlung.

 
Homöopathie-Bücher, die ich gerne empfehle:

"Homöopathie: Energiemedizin" George Vithoulkas (Grundlagen der Homöopathie)
"Homöopathie für Kinder" Monika Weber, Knaur 2009 (nur noch gebraucht über Amazon)
"Homöopathie für Kinder" Dana Ullman, Ullstein 2005 (bekanntester Homöopath in USA)












Antibiotika

Homöopathen schließen sich Forderungen des Europäischen Antibiotikatags an

Ulm, 13.11.2014 – Mehr als 10.000 Menschen sterben jährlich allein in Deutschland an sogenannten Krankenhaus-Infektionen. Ein Großteil dieser Infektionen geht auf resistente Erreger zurück. Der alljährlich am 18. November begangene Europäische Antibiotikatag will das öffentliche Bewusstsein für die Bedrohung durch zunehmende Antibiotikaresistenzen schärfen. Diesem Anliegen schließt sich der Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD) an und fordert eine umsichtige Anwendung von Antibiotika. Er macht darauf aufmerksam, dass Homöopathie in vielen Situationen eine nebenwirkungsfreie und kostengünstige Alternative zur Behandlung von Infektionen mit Antibiotika sein kann.

„Neueste Daten bestätigen, dass sich immer mehr Patienten mit antibiotikaresistenten Bakterien infizieren und Antibiotikaresistenzen eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit vieler Bürger darstellen“, sagt Christine Liebing-Gabel, Vorstandsmitglied des VKHD. „Das gefährdet nicht nur Patienten, sondern führt auch zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung unseres Gesundheitssystems.“ Der VKHD ist der Auffassung, dass nur der umsichtige Einsatz von Antibiotika dazu führen kann, resistente Bakterien einzudämmen, damit Antibiotika auch zukünftig wirksam bleiben. „Die Homöopathie bietet eine Alternative bei vielen Infektionen und kann somit einen wichtigen Beitrag zu einer Reduzierung des Antibiotikagebrauchs leisten“, ist die erfahrene Homöopathin überzeugt.

Problem der multiresistenten Bakterien

„Antibiotika sind in vieler Hinsicht ein Segen. Ohne die Entdeckung des Penicillins durch Alexander Flemming im Jahr 1928 kämen viele Infektions-krankheiten nach wie vor einem Todesurteil für die Patienten gleich“, sagt Ralf Dissemond, erster Vorsitzender des VKHD. „Im Laufe der Zeit wurden immer wirksamere Antibiotika entwickelt. Viele Jahre lang stand für nahezu jede bakterielle Infektion eine wirkungsvolle Therapie zu Verfügung. Leider nimmt jedoch in den letzten 25–30 Jahren die Zahl bakterieller Resistenzen zu: Bakterien sind lernfähig und stellen sich durch Mutation immer schneller auf neue Antibiotika ein. In der Folge entwickelten sich eine Reihe von Bakterien, gegen die es kaum noch wirksame Antibiotika gibt“, führt Dissemond aus.

Versorgungsatlas: Keine wirklich Entwarnung

Der aktuelle Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung scheint eine erste Entwarnung zu geben, da sich im Zeitraum von 2008 bis 2012 – insbesondere bei jüngeren und älteren Patienten – der Antibiotikaverbrauch verringert hat. Allerdings zeigt sich ein zunehmender Einsatz der sogenannten „Reserveantibiotika“ wie Fluorchinolonen und Cephalosporinen. Diese Wirkstoffgruppen sind vor allem an der Entstehung multiresistenter Erreger im gramnegativen Bereich beteiligt. Eine oft vernachlässigte Größe ist die steigende Belastung der Bevölkerung durch den Antibiotikaeinsatz in der Nahrungsmittelindustrie, in erster Linie in der Tiermast. Die Antibiotikarückstände sind häufig im Fleisch nachzuweisen.

Umdenken angezeigt: Homöopathie als Option

„Hier muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Dissemond. Vieles deutet darauf hin, dass diese Entwicklung u.a. durch eine sorglose ärztliche Verschreibungspraxis mit verursacht wurde. Antibiotika werden selbst bei banalen Infekten und Viruserkrankungen, im speziellen bei Kindern, verabreicht. Dabei steht mit der Homöopathie eine Therapie zur Verfügung, die gerade bei akuten Infekten eine sehr wirksame Alternative bietet.

Homöopathie: Besonders wirksam bei akuten Infekten der Atem- und Harnwege

Studien belegen beispielsweise, dass eine homöopathische Behandlung – vor allem bei Infektionen der oberen Atemwege und des Mittelohres – ebenso wirkungsvoll sein kann wie eine konventionelle Therapie mit Antibiotika. So konnte gezeigt werden, dass Kinder mit einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) durch eine homöopathische Behandlung ähnlich schnell und zuverlässig gesund wurden wie konventionell behandelte Kinder. Bei der Therapie mit homöopathischen Arzneimitteln traten tendenziell weniger Rückfälle auf als in der konventionell behandelten Vergleichsgruppe. Genauso erfolgreich wird Homöopathie bei akuten und chronischen Prozessen der Nasennebenhöhlen angewendet. Insgesamt verläuft der Heilungsprozess unter der homöopathischen Behandlung sogar schneller und es kommt seltener zu Rückfällen oder zu einer Chronifizierung. Aber auch bei Erkrankungen der Harnwege haben sich homöopathische Arzneimittel bewährt.

Homöopathie als erste Option bei einfachen bakteriellen Infekten

Es wäre wünschenswert, dass banale Infekte häufiger mit homöopathischen Arzneien behandelt würden. Homöopathika können bei einfachen bakteriellen Infekten, z.B. der Atemwege oder der Harnwege, die erste Option sein. „Das würde dazu beitragen, die problematische Entwicklung in der Gesundheitsversorgung durch Antibiotikaresistenzen zu entschärfen“, zieht Christine Liebing-Gabel ihr Fazit.



Neues Wissen über Antibiotika:

Antibiotika lähmen den gesunden Mix im Darm

 Antibiotika töten die Bakterien im Darm ab und unterscheiden dabei nicht zwischen Freund und Feind, zwischen guten und schlechten Keimen. Nun fand ein US-Forscher heraus: Das Medikament kann unsere Darmflora auch dauerhaft aus der Bahn werfen. So entstehen chronische Krankheiten und dauerhafte Gesundheitsprobleme.
09.10.10|dapd Von Lauran Neergaard
Dass Antibiotika bei vielen Menschen Verdauungsprobleme verursachen, ist allseits bekannt. Aber die wiederholte Einnahme solcher Medikamente verändert einer Studie zufolge auch die natürliche Bakterienvielfalt im Darm über längere Zeit. Immer mehr Untersuchungen zeigen, wie wichtig der individuelle Bakterienzoo eines Menschen für seine Gesundheit ist.
Manche Forscher vermuten, dass insbesondere die Einnahme von Antibiotika in der frühen Kindheit Immunstörungen wie Allergien oder Asthma auslösen kann. Denn die Medikamente sind grundsätzlich nicht wählerisch: Sie töten nützliche Bakterien ebenso ab wie die üblen Keime, gegen die sie verordnet werden.
David Relman von der Universität Stanford wollte ermitteln, wie lange die Mikrobenvielfalt im Darm braucht, um sich wieder zu erholen. Daher ließ er drei gesunde Frauen, die länger keine Antibiotika verwendet hatten, wiederholt im Abstand von sechs Monaten das vergleichsweise milde Präparat Ciprofloxacin für die Dauer von jeweils fünf Tagen einnehmen.
Im ersten Durchgang klagte zwar keine der Frauen über Durchfall oder Übelkeit. Aber Stuhlproben enthüllten, was sich unter der vermeintlich ruhigen Oberfläche tat. Ein Drittel bis die Hälfte der Bakterienarten verschwand nahezu ganz, dafür drängten andere Mikroorganismen in die frei gewordene Lücke. Nach einer Woche hatte sich die ursprüngliche Bakterienverteilung aber bei zwei der drei Frauen wieder eingestellt. Nur bei der dritten Probandin waren die Keimkolonien noch ein halbes Jahr später verändert.
Der zweite Antibiotika-Durchgang setzte den Darmkeimen anfangs wieder in ähnlichem Maße zu. Aber diesmal normalisierte sich - anders als zuvor – die Darmflora bis zum Ende der Studie zwei Monate später bei keiner der drei Frauen.
Die Untersuchung zeigt exemplarisch das fragile Gleichgewicht, das der Mensch mit seinem Mikrobiom teilt – also jenen Billionen Mitbewohnern, die sich etwa auf der Haut oder in der Nase tummeln. Viele sind von ihnen sind nicht nur nützlich, sondern gar extrem wichtig. Dies gilt vor allem für die Bakterien des Darms, deren Rolle jahrelang unterschätzt wurde. “Die Gemeinschaften des Verdauungstraktes sind grundlegend für die Entwicklung unseres Immunsystems“, betont Relman, dessen Studie im renommierten Fachblatt “PNAS“ veröffentlicht wurde. “Wir sollten sie nicht für garantiert nehmen.“
Der Forscher will nun klären, welche Wirkung Antibiotika in den ersten beiden Lebensjahren haben – also genau dann, wenn Kleinkinder ihre ureigensten Keimkolonien aufbauen. Möglicherweise steigern die Medikamente in dieser Phase das Risiko für spätere Probleme des Immunsystems.
Denn jeder Mensch kommt mit einem mehr oder weniger sterilen Verdauungstrakt zur Welt. Der wird binnen Tagen von verschiedensten Keimen besiedelt. Die stammen von den Eltern, aus der Umgebung, von der ersten Nahrung. Nach und nach steigt die Vielfalt im Darm eines gesunden Menschen auf Hunderte Mikrobenarten, von denen viele der Verdauung und dem Immunsystem nützliche Dienste erweisen.
Forscher wissen etwa, dass fettleibige Menschen andere Darmkeime tragen als schlanke Personen. Schon eine Diät kann die Keimkolonien verändern. Zudem könnten veränderte Bakterienkolonien auch an Erkrankungen beteiligt zu sein, etwa an der Entstehung von Polypen, einer Vorform von Darmkrebs.
Zwar sollten Antibiotika ohnehin grundsätzlich sparsam verwendet werden, allein schon wegen der Gefahr, dass bakterielle Krankheitserreger Resistenzen dagegen entwickeln*. Aber die neue Studie zeigt, dass sie auch nützlichen Bakterien zusetzen, mit unabsehbaren Risiken für die spätere Gesundheit. “Wir sollten anfangen, mehr darauf darauf achten“, sagt der Mikrobiologe Martin Blaser von der Universität New York, der nicht an der Studie beteiligt war. “Der Einsatz von Antibiotika hat auch aus biologischer Sicht seinen Preis.“
*Immer mehr Keime zeigen Resistenzen gegen Antibiotika und selbst bislang harmlose Krankheitserreger wie die Escherichia-coli-Bakterien werden immer aggressiver und verursachen neuerdings auch Blutvergiftungen.
dapd

Hier ein Bericht desselben Forschungsinstituts von 2008:

In der kostenfrei zugänglichen Online-Zeitschrift PloS Biology ( http://biology.plosjournals.org/) haben Wissenschaftler im November 2008 über die bisher gründlichste Untersuchung der Auswirkungen einer Antibiotikabehandlung auf die Darmflora berichtet.

Der Darm ist das dicht besiedelteste natürliche bakterielle Ökosystem, das man kennt. Bis zu 10 Billionen einzelne Mikroben sind im Darm vorhanden. Die mikrobielle Darmflora hat eine Fülle von Aufgaben bei Verdauung, Krankheits-Resistenz, der Regulation der Immunantwort usw. Das wirft Fragen nach den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der Störung der Darmflora durch eine Antibiotikabehandlung auf. Weil bestimmte Mikroben eine Reihe von chemischen Vorgängen im Darm steuern, könnten Veränderungen in der Zusammensetzung der mikrobiellen Besiedlung des Darms wichtige, bisher aber noch nicht bekannte Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Mit einer neuen Methode zur Identifikation verschiedener Typen von Bakterien...( haben Forscher) der Stanford-Universität mindestens 3.300 bis 5.700 verschiedene "Taxa" (genetisch verschiedene Typen) von Bakterien im distalen menschlichen Darm identifiziert.

Die Antibiotika-Behandlung hat die Häufigkeit des Vorkommens etwa eines Drittels dieser Bakteriengruppen beeinflusst: "Einige vor der Behandlung selten auftretende Bakterien können häufiger vorkommen, und die Häufigkeit einiger dominanter Bakterien kann abnehmen. Solche Veränderungen können anhaltend sein", erklärte Sogin. Bei allen in der Studie getesteten Personen hat sich die bakterielle Besiedlung innerhalb von vier Wochen nach Behandlungsende zwar erholt, aber sie ähnelte nur weitestgehend wieder der vor der Antibiotikagabe: einige Bakterientypen hatten sich auch nach sechs Monaten noch nicht wieder erholt. Bakterien, die normalerweise keine Probleme verursachen, könnten dann Krankheiten verursachen.

Die Studie ist Teil einer großen internationalen Untersuchung, die die Mikroben im Darm vollständig bestimmen soll. Die Erforschung der Darmflora ist durch neue Methoden einfacher geworden. Die Veröffentlichung (engl.) ist kostenfrei zugänglich: Dethlefsen L, Huse S, Sogin ML, Relman DA (2008) The Pervasive Effects of an Antibiotic on the Human Gut Microbiota, as Revealed by Deep 16S rRNA Sequencing. PLoS Biol 6(11): e280,doi:10.1371/journal.pbio.0060280, Published: November 18, 2008, http://dx.doi.org/10.1371/journal.pbio.0060280

Mittwoch, 12. November 2014

Sind "harmlose" Schmerzmittel wirklich harmlos?

 

Die Schmerzbehandlung ist eine Erfolgsgeschichte der Homöopathie. Voraussetzung dafür ist es, Schmerzen ernst zu nehmen. Die Einnahme von Schmerzmitteln mag als die einfachere, schnellere und billigere Methode erscheinen, doch sie geht oft auf Kosten der Gesundheit. Besser ist die sorgfältige homöopathische Konstitutionsbehandlung.


Entwarnung für Paracetamol?

Ein Bericht vom 17.9.2012 in der Süddeutschen Zeitung: "Weniger wirksam als andere Schmerzmittel und noch dazu gefährlich für die Leber: Immer wieder hatte es in den vergangenenJahren Kritik an Paracetamol gegeben."

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/schmerzmittel-entwarnung-fuer-paracetamol-1.1469885

Hier Auszüge:

Nebenwirkungen in der Schwangerschaft: Paracetamol darf als einziges Analgetikum während der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden. Diskutiert wird, ob die Einnahme des Mittels bei Kindern die Entwicklung von Asthma begünstigt. Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sieht den Zusammenhang allerdings nicht belegt.
Einige neuere Studien legten den Schluss nahe, dass Paracetamol in der Schwangerschaft zum Hodenhochstand beim Neugeborenen führt. Diese Anomalie kann Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit haben. Aber auch dieser Zusammenhang ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Das Bundesinstitut rät, Paracetamol in der Schwangerschaft ´nur bei dringender Notwendigkeit´ anzuwenden."
 
 
Die hier erwähnten Studienergebnisse, die den Verdacht aufwarfen, dass Paracetamol, während der Schwangerschaft eingenommen (oder direkt an kleine Kinder gegeben), zu Asthma führt, hatten Forscher aus Osnabrück 2009 in der Fachzeitschrift Current Allergy Asthma Report zusammengefasst:
»Die verfügbaren Daten rechtfertigen eine Warnung der Bevölkerung vor unkritischer Einnahme«.
Eine Studie aus Århus in Dänemark an über 47000 Neugeborenen, hatte einen Zusammenhang gezeigt zwischen der Paracetamol-Einnahme über vier Wochen in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft und 980 Fällen von Hodenhochstand. Zu einem ähnlichen Ergebnis waren Studien aus Dänemark, Finnland und Frankreich gekommen. Frauen, die Paracetamol und Ibuprofen einnahmen, erhöhten das Risiko sogar um das siebenfache. Schmerzarzt Göbel sagt, er könne inzwischen keiner Schwangeren mehr zu Paracetamol raten. In den Behandlungsleitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft wird dies noch empfohlen.

Paracetamol ist die Nummer zwei aller frei verkauften Medikamente (nach einem Nasenspray). »Das Schlimme ist: Es ist nicht nur eine sehr gefährliche Substanz, sondern sie gilt als besonders harmlos«, sagt Kay Brune, Pharmakologe und Toxikologe an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Was den wenigsten Patienten bewusst ist: Werden Schmerzmittel (»Analgetika«) zu oft eingenommen, lösen sie selbst Schmerz aus. Jeder zehnte Kopfschmerzpatient leidet aus diesem Grund unter Dauerschmerzen. Fast zynisch klingt da der Hinweis auf dem Beipackzettel des populären Präparats Thomapyrin: »Bei längerem hoch dosiertem, nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosen des Arzneimittels behandelt werden dürfen« – doch wie soll man die einen Schmerzen von den anderen unterscheiden?

 

 

"Vier Stunden Wirkung, vier Tage Nebenwirkung"

Süddeutsche Zeitung: 02.07.2012, 13:22

Interview: Berit Uhlmann
Süddeutsche.de: Alle bekannten Schmerzmittel werden wahrscheinlich in Kürze nur noch in kleineren Packungen erhältlich sein, um den Verbraucher zu schützen. Was macht sie so gefährlich?

Kay Brune: Frei verkäuflich heißt nicht harmlos. Vor allem die Allerweltsmittel Aspirin und Paracetamol können starke Nebenwirkungen haben. Aspirin entfaltet seine schmerzlindernde Wirkung für etwa vier Stunden, zeigt aber Nebenwirkungen für vier Tage. Ich spreche von Störungen der Blutgerinnung: Das Medikament verdünnt das Blut. Diese Wirkung endet eben nicht mit der schmerzhemmenden Wirkung der Tablette, sondern hält Tage lang an. Welcher Verbraucher weiß das schon? Blutungen sind die große Gefahr dieses Wirkstoffes.
Paracetamol wiederrum kann vor allem zu Leberschäden bis hin zum Leberversagen führen. Das Problem ist, dass es sehr leicht überdosiert werden kann, weil es auch in vielen Kombinationspräparaten enthalten ist, und so schnell eine kritische Dosis erreicht wird.

Süddeutsche.de: Sie haben sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, Paracetamol nur noch auf Rezept auszugeben ...

Brune: Ja, ich hatte beim BfarM einen entsprechenden Antrag eingereicht. Er wurde nicht angenommen, was ich sehr bedaure. Ich finde, ein Medikament, bei dem eine Verdopplung der empfohlenen Dosis bereits tödlich sein kann, gehört nicht in den freien Verkauf.

Ich sehe allerdings auch, dass es sehr schwer wäre, wenn Deutschland als einziges Land den freien Verkauf untersagen würde. Ärzte fürchten zudem, dass die Patienten nicht ausreichend mit Schmerzmitteln versorgt sind, wenn sie sich jedes Mal für Paracetamol ein Rezept ausstellen lassen müssen.





Hier ein Artikel von Harro Albrecht, erschienen in der ZEIT am 10.2.2011, in etwas gekürzten Auszügen wiedergegeben. Hervorhebungen von mir.

Schmerz, lass nach

Die Deutschen schlucken massenhaft Schmerzmittel. Schon bei normaler Dosierung können Tabletten gefährlich sein.
Fast 70 Prozent der Frauen und mehr als 50 Prozent der Männer werden im Verlauf eines Jahres von Kopfschmerzen heimgesucht. Ähnlich verbreitet sind Rückenschmerzen, die rund 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verursachen – so fasst es bereits ein Gesundheitsbericht der Bundesregierung aus dem Jahre 2002 zusammen. Schmerzen sind ein Massenphänomen – und so werden sie auch meist behandelt: sorglos und oft ganz ohne Rücksprache mit einem Arzt. Ein halbes Dutzend Wirkstoffe gegen Schmerzen sind frei verkäuflich. Eine Packung Paracetamol gibt es schon zum Preis von zwei Mohnbrötchen. Der schnelle Griff zur Tablette löst die Probleme oft nicht und schadet mehr, als viele Laien ahnen.
Was den wenigsten Patienten bewusst ist: Werden Schmerzmittel (»Analgetika«) zu oft eingenommen, lösen sie selbst Schmerz aus. Jeder zehnte Kopfschmerzpatient leidet aus diesem Grund unter Dauerschmerzen. Fast zynisch klingt da der Hinweis auf dem Beipackzettel des populären Präparats Thomapyrin: »Bei längerem hoch dosiertem, nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosen des Arzneimittels behandelt werden dürfen« – doch wie soll man die einen Schmerzen von den anderen unterscheiden?
Leiter der Kieler Schmerzklinik, Hartmut Göbel: „Ich habe einmal ausgerechnet, dass in Deutschland für Schmerzmittel in Apotheken mehr ausgegeben wird als für Brot beim Bäcker. Schmerzmittel ist eigentlich gar nicht mehr das richtige Wort, es sind Lebensmittel.«
Tatsächlich geben die Deutschen für rezeptfrei verfügbare Analgetika jährlich rund 900 Millionen Euro aus. 10 der 20 am häufigsten frei verkäuflichen Arzneien sind Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und ihre Kombinationspräparate. Zwar stagniert der Absatz von Paracetamol, dafür steigt der von Ibuprofen und Diclofenac.
Laien ist vielleicht noch bekannt, dass Acetylsalicylsäure Magenblutungen auslösen kann und bei hohen Dosen Paracetamol Leberschäden drohen. Doch immer wieder zeigen Studien, dass frei verkäufliche Analgetika gefährlich sein können – selbst bei Gebrauch gemäß Beipackzettel.
Erst Mitte Januar hat das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern eine Metaanalyse von insgesamt 31 Studien zu Nebenwirkungen häufig gebrauchter Medikamente vorgelegt. Darunter waren die Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Die Autoren um Peter Jüni haben die Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall untersucht. Bei 11.429 Patienten fanden sie 554 Herzinfarkte und 377 Schlaganfälle. Im British Medical Journal präsentierten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse mit kühler Statistik und Sätzen voller Abwägungen. Auf Nachfrage wird Jüni sofort deutlicher: »Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Medikamente das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um den Faktor zwei bis vier erhöhen. Das ist beträchtlich!« – besonders für ältere Menschen mit vorgeschädigten Blutgefäßen kann das eine Gefahr bedeuten.
Ein weit verbreitetes Präparat fehlt in der Metaanalyse. Es ist die Nummer zwei aller in derfrei verkauften Medikamente (nach einem Nasenspray): Paracetamol. »Das Schlimme ist: Es ist nicht nur eine sehr gefährliche Substanz, sondern sie gilt als besonders harmlos«, sagt Kay Brune, Pharmakologe und Toxikologe an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er verweist auf eine Studie im Fachjournal The Journal of the American Medical Association von US-Medizinern der Universität von North Carolina in Chapel Hill. Sie hatten junge Paracetamol-Konsumenten untersucht und in 27 Prozent der Fälle Zeichen von reversiblen Leberschäden gefunden – obwohl keiner die zugelassene Dosierung überschritten hatte. Brune beobachtet die Nachrichtenlage mit Sorge: »Es gab unendlich viele Einzelfall- und Gruppenmeldungen, dass es auch bei erlaubter Dosierung zu akutem Leberversagen kommt.« Das gilt erst recht, wenn jemand mehr als zehn Gramm Paracetamol auf einmal schluckt, die rezeptfrei erhältliche Menge. Am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte entschied daher der zuständige Sachverständigenausschuss, dass Apotheken von April vergangenen Jahres an nur noch maximal zehn Gramm Paracetamol pro Packung an Kunden ohne Rezept abgeben dürfen. Einer der Sachverständigen war Brune. Er hatte fünf Gramm als Höchstgrenze gefordert – die drei Vertreter der Industrie im Gremium stimmten dagegen.
Es ist paradox: Weil Paracetamol – wie auch Aspirin – aus der Frühzeit synthetischer Arzneimittel stammt, durchlief es nur Tests, die im Vergleich zum heutigen Zulassungsprozedere wie ein Witz wirken. So fand Peter Jüni für Paracetamol nicht genug aussagekräftige Untersuchungen über Nebenwirkungen. Das sei schon deshalb so, weil der Patentschutz lange abgelaufen ist und aufwändige Nachforschungen sich für die Hersteller nicht rechnen. Dafür aber läuft bereits seit Jahrzehnten der Test qua Massengebrauch.
Beunruhigende neue Hinweise über potenzielle Gefahren in der Fachliteratur änderten bislang nichts am Alltagskonsum. Immer wieder tauchte in den vergangenen Jahren der Verdacht auf, dass Paracetamol, während der Schwangerschaft eingenommen (oder direkt an kleine Kinder gegeben), zu Asthma führt. »Die verfügbaren Daten rechtfertigen eine Warnung der Bevölkerung vor unkritischer Einnahme«, fassten Forscher aus Osnabrück 2009 in der Fachzeitschrift Current Allergy Asthma Report zusammen. Und im vergangenen November stellte eine Studie aus Århus in Dänemark an über 47000 Neugeborenen einen Zusammenhang her zwischen der Paracetamol-Einnahme über vier Wochen in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft und 980 Fällen von Hodenhochstand. Dieser kann im späteren Leben zur Zeugungsunfähigkeit führen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Studie aus Dänemark, Finnland und Frankreich. Frauen, die Paracetamol und Ibuprofen einnahmen, erhöhten das Risiko sogar um das siebenfache. Schmerzarzt Göbel sagt, er könne inzwischen keiner Schwangeren mehr zu Paracetamol raten. In den Behandlungsleitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft wird dies noch empfohlen.
Die Zahl der kritischen Studien und Expertenwarnungen wächst. Nur langsam werden die Pharmakontrolleure hellhörig. So prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zusammen mit der Europäischen Arzneimittelagentur die neuen »Signale«. Die US-Arzneimittelbehörte FDA beabsichtigt, die erlaubte Höchstmenge von Paracetamol pro Tablette auf 325 Milligramm zu senken. Und das Bundesgesundheitsministerium in Berlin teilt mit, in »absehbarer Zeit« solle die Arzneimittelverschreibungsverordnung im Hinblick auf entzündungshemmende Schmerzmittel geändert werden. Das BfArM lege entsprechende Konzepte in den nächsten Wochen vor.
Über Jahrzehnte haben sich Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Co. als harmlose Alltagshelfer etabliert. Das hat zu der Erwartungshaltung »Schmerzfrei, sofort!« geführt. Ein Irrweg, findet Hartmut Göbel. Im Rahmen der Umfrage Gläserne Schule fand Göbel heraus, dass bis zu 40 Prozent aller Schüler in Schleswig-Holstein über Kopfschmerzen klagten – und Schmerzmittel einnahmen. »Wir haben hier Patienten, die bis zu 30 Thomapyrin am Tag eingenommen haben«, sagt Hartmut Göbel. Eine Weile halte der Körper das aus. Dann stellen sich Nebenwirkungen ein: Depressionen, Magen-Darm-Störungen, Leberprobleme. »Bis dann Leute mit 35, 40 Jahren nicht mehr können.«

Mittwoch, 6. August 2014

Schlaftraining? Nein!

 

Vom "Schreien lassen" raten namhafte Experten ab.


Warum ein so genanntes "Schlaftraining" nicht empfehlenswert ist - dazu finden sich in dieser kleinen PDF-Broschüre meiner Schweizer Kollegin Sibylle Lüpold die Meinungen von 20 namhaften Experten auf diesem Gebiet.

Lesen Sie hier die vielen guten Argumente, warum vom "Schreien lassen" abzuraten ist:

http://www.ferbern.de/fileadmin/documents/pdf/broschuere_babyschlaf.pdf

Dienstag, 5. August 2014

Wissenswertes: Vitamin D

Brauchen gestillte Babys zusätzlich Vitamin D?

Lesen Sie dazu bitte dieses Statement der UNICEF:

http://www.unicef.org.uk/Documents/Baby_Friendly/Statements/UNICEF_UK_Vitamin_D_Statement_211211.pdf


Vitamin D - Wundermittel oder Marketing-Gag?

Geschrieben von Dr. Steffen Rabe, 13. Juli 2014
http://www.homoeopathisches-aerztehaus.de/aktuelles.html

Kaum eine Fernsehzeitschrift oder ein Apothekenschaufenster, die nicht auf die Gefahren des vermeintlich so verbreiteten Mangels an Vitamin D hinweisen und die dringende Notwendigkeit der Abhilfe durch in der Regel nicht ganz billige Nahrungsergänzungsmittel behaupten. Darüber hinaus soll das Hormon (denn Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, das der Körper selber bilden kann) bei zahllosen schweren Erkrankungen - von Arterienverkalkung bis Depression - eine hilfreich-heilende Rolle spielen.

Gefolgert wird dies aus bei vielen Erkrankungen tatsächlich messbar erniedrigten Vitamin D-Spiegeln im Blut, wobei allerdings offenbar Ursache und Wirkung regelmäßig verwechselt werden: die erniedrigten Blutspiegel sind einer großangelegten Übersichtsarbeit (Metaanalyse, Bolland 2014), die mehrere hundert Studien zum Vitamin D zusammenfasst, demnach keineswegs die Ursache, sondern die Folge dieser Erkrankungen und in ihrer Bedeutung nicht klar. Klar sei jedoch, so die Autoren: "Menschen, die Vitamin D-Präparate einnehmen, sind dadurch nicht besser vor Gefäßerkrankungen, Diabetes oder Krebs geschützt", diese Präparate seien im günstigsten Falle nur unnötig, wahrscheinlich aber sogar schädlich.

Zwar hätten einige Beobachtungsstudien gezeigt, dass Erwachsene, die einen gemessenen Vitamin D-Mangel aufweisen nicht nur an Störungen des Knochenstoffwechsels, sondern auch vermehrt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs litten, diese Art von Studien sei - so die Autoren - aber gänzlich ungeeignet, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen beiden Beobachtungen herzustellen. Vielmehr könnte der Vitamin D-Mangel schlicht ein Indikator für einen insgesamt ungesünderen Lebensstil (Fehlernährung, zu wenig Bewegung an frischer Luft etc.) sein.

In der genannten Übersichtsarbeit wurden nun die Studien zusammengefasst, die gezielt den Einfluss einer Vitamin D-Ergänzung auf die genannten Problem untersuchen: lediglich bei Bewohnern von Altenheimen konnte ein positiver Einfluss von Vitamin D auf die Häufigkeit von Knochenbrüchen nachgewiesen werden und dies auch nur, wenn gleichzeitig Kalzium zugeführt wurde. Bei allen anderen Bevölkerungsgruppen ist kein Einfluss auf diese Häufigkeit und auch keiner auf die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gar Krebs nachgewiesen worden.

Und ein weiteres Ergebnis stimmt nachdenklich: neben einem zu niedrigen Vitamin D-Spiegel war auch ein (zu) hoher mit einer vermehrten Sterblichkeit verbunden (Michaelsson 2010).

Woher also der Hype? Die Autoren der Lancet-Studie äußern sich speziell zur Situation in Deutschland mit der Bemerkung: "Es gibt insbesondere in Deutschland einen starken Einfluss der Hersteller von Vitaminpräparaten, Messgeräten und auch der Solariumsindustrie." Letztere wollten über die Betonung des Nutzens ultravioletter Strahlung das schlechte Image ihrer Produkte als Krebserzeuger korrigieren (zitiert nach SZ 2014)

Literatur:
Bolland MJ. The Lancet Diabetes & Endocrinology, Early Online Publication, 24 January 2014 doi:10.1016/S2213-8587(13)70212-2
Michaelsson K. Am J Clin Nutr October 2010 vol. 92 no. 4 841-848
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2014 http://sz.de/1.1904723

Montag, 14. Juli 2014

Klassische Homöopathie




9 gute Gründe für die Homöopathie

1  Keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen

In der Homöopathie werden Arzneistoffe aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich verwendet. Im Gegensatz zur Schulmedizin wird jeweils nur ein Ausgangsstoff für ein homöopathisches Arzneimittel verwendet. Durch Verreiben, Verdünnen und Verschütteln wird die Heilkraft der Arzneimittel voll entwickelt. Sie verlieren an Materie und gewinnen an Kraft und Wesen. Deshalb nennt man den Herstellungsprozess auch Potenzierung oder Kraftentwicklung.

2  Sanft und nachhaltig

Die Mittelwirkung ist sanft und nachhaltig; sie wirkt bis in die Konstitution, bis in das verstimmte Gemüt und bis in das Steuerzentrum des Körpers. Durch die Stärkung des ganzen Menschen sind Patienten, die sich für eine homöopathische Behandlung entscheiden, in der Folge meist widerstandsfähiger gegen Erkrankungen.

3  Ganzheitlich

Ganzheitliche homöopathische Behandlung bedeutet, dass nicht nur die Hauptbeschwerde des Patienten behandelt wird, sondern gleichzeitig alle körperlichen und seelischen Veränderungen des Patienten einbezogen werden. Auch Erkrankungen der Vorfahren können wichtige Hinweise geben.

4  Kostengünstig

Die Homöopathie kann als Einzeltherapie bei einer Vielzahl von Beschwerden die Behandlung der Wahl sein. Homöopathische Arzneien sind kostengünstig und müssen bei fachgerechter Anwendung selten eingenommen werden.

5  Keine Tierversuche

Um die Wirkung homöopathischer Arzneien zu prüfen, werden keine Tierversuche durchgeführt.

6  Leicht einzunehmen

Homöopathische Arzneien werden in Form von Streukügelchen (Globuli) oder Tropfen eingenommen.

7  Individuelle Betreuung des Patienten

Homöopathinnen und Homöopathen nehmen sich viel Zeit und stellen in der Anamnese Fragen, die über den gegenwärtigen Krankheitszustand des Menschen hinausgehen, da auch die Kenntnis der Lebensumstände für die Behandlung und Mittelwahl von Bedeutung ist.

8  Wertvoll in der Ersten Hilfe

Kleinere Verletzungen wie z.B. Blutergüsse, leichte Verbrennungen, Verstauchungen oder Folgen von Insektenstichen können hervorragend mit homöopathischen Mitteln behandelt werden.

9  Medizin der Zukunft

Die homöopathische Behandlung ist seit über 200 Jahren wirksam, erfolgreich und bewährt. Die Behandlung folgt natürlichen und nachvollziehbaren Wegen, die lange erprobt und bewährt sind. Erkenntnisse der Quantenphysik geben uns Einblick in die Wirkungsweise und zeigen, wie fortschrittlich HomöopathInnen bereits seit zwei Jahrunderten zum Wohle der Patienten wirken.

(aus einem Flyer meines Berufsverbands VKHD)

Häufige Fragen zur Homöopathie sind ausführlich beantwortet auf der Seite meines Berufsverbands VKHD, dem Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands, unter vkhd.de. Bitte sehen Sie sich dort um: Klicken Sie auf "Patientenbereich". Sie finden dort auch Biographien von bedeutenden Persönlichkeiten der Homöopathie, darunter meine persönlichen Lehrer Paul Herscu und George Vithoulkas. 


Ich empfehle gerne allen, die Homöopathie besser verstehen möchten, das kleine Buch "Homöopathie: Energiemedizin" von meinem Lehrer Prof. Georgos Vithoulkas. Es ist spannend geschrieben und schnell gelesen. 

Ein guter Überblick zu ersten Fragen und Antworten über die Homöopatahie findet sich auch hier: http://vkhd.de/patientenbereich-57


Wie erleben Patienten eine homöopathische Behandlung?

Die Regisseurin Maja Classen interviewte eine Familie, die von der erfolgreichen Behandlung einer Rachenmandeldysplasie und in der Textversion auch von der Behandlung einer Sehnerv-Entzündung berichtet. Sie verzichtet dabei auch nicht auf kritische Fragen, etwa ob nur das Gespräch heilen würde. Das von ihr geführte und gefilmte Interview bietet interessante Einblicke in die homöopathische Arbeit und zeigt anschaulich den ganzheitlichen Ansatz der Homöopathie bei der Behandlung der Patienten. So macht der fünfminütige Film „Homöopathie erlebt“  der Medieninitiative Homöopathie  klassisch-homöopathische Behandlungen im Erleben einer Patientenfamilie nachvollziehbar – eine Perspektive, die wichtig ist, denn die eigentlich Betroffenen kommen in Fachdiskussionen selten zu Wort.Zu sehen hier: 
http://www.medieninitiative-homoeopathie.de/homoeopathie-erlebt

Homöopathie – ein Stiefkind des Wissenschaftsjournalismus


“Ein Ritterschlag für Quacksalber?” betitelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel zur Homöopathie auf der ersten Seite des Wissenschaftsteils der Ausgabe vom 8.1.2014 (online unter www.faz.net).
Darin steht die Homöopathie wieder einmal – wie in unzähligen weiteren Beiträgen der deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse der letzten Jahre – am Pranger der Medizinjournalisten. Zitiert wird zunächst der Leiter der Frauenklinik Zürich, der die Homöopathie in seiner Klinik ablehne, denn schließlich gebe es “für die Wirksamkeit der Homöopathie keine wissenschaftliche Evidenz”. Ein bekanntes Pauschal-Argument, welches den Patientinnen aber egal zu sein scheint: Laut einer Umfrage setzen 93,4% aller deutschen Geburtskliniken homöopathische Arzneien ein.
Dagegengehalten werden die Ergebnisse einer aktuellen Veranstaltung im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf welcher die Langzeitergebnisse der homöopathischen Therapie bei ADHS vorgestellt wurden – mit positiven Ergebnissen zugunsten der Homöopathie.
Auf diesen beiden Standpunkten basierend sieht die Autorin des F.A.Z.-Artikels eine Paradoxie: Einerseits die “kategorische Ablehnung jedweder wissenschaftlichen Evidenz”, andererseits “Belege für eine Wirksamkeit aus klinischer Forschung”. Positive Ergebnisse zugunsten der Homöopathie würden aber nur dadurch entstehen, dass die Werkzeuge der Evidenzbasierten Medizin (Stichwort: placebokontrolliert-doppelblind) unzulänglich seien – so der Tenor der Artikels.
Über all das lässt sich natürlich diskutieren. Zwei Punkte sind in der aktuellen Berichterstattung aber wieder und wieder ärgerlich:
1. Die reißerischen Überschriften – hier: “Ritterschlag für Quacksalber?”. Damit werden alle Anwender homöopathischer Arzneien von Vornherein als “Quacksalber” diffamiert – eine unsägliche Unterstellung. Arbeiten die vielen Tausend homöopathischen Ärzte und Heilpraktiker in Deutschland wirklich mit der Überzeugung, unwirksame Medikamente zu verschreiben, nur um damit viel Geld zu machen? Hier wird eine ganze Berufsgruppe pauschal verleumdet.
2. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zur Grundlagenforschung und klinischen Forschung in der Homöopathie (vgl. dazu die Beiträge in diesem Blog, die Datenbanken der Carstens-Stiftung etc.) werden weiterhin hartnäckig auch vom Wissenschaftsjournalismus ignoriert – über die Gründe lässt sich spekulieren. Harald Walach hat bereits eine plausible Erklärung geliefert:
Die Komplementärmedizin hat sich in der Praxis bewährt und in der Wissenschaft so manche, wenn auch nicht alle, Belege ihrer Wirksamkeit geliefert. Sie dringt auf leisen Sohlen immer weiter in die Wohnzimmer der medizinischen Versorgungsmacht. Sie bedroht dabei den friedlichen Kaffeekranz derer, die den fetten Versorgungskuchen bislang ungestört unter sich aufteilen konnten. Dies löst Affekte aus, nicht immer die freundlichsten. Das muss niemanden wundern. Niemand sollte aber in der naiven Illusion gelassen werden, dass der Ruf der Skeptikerbewegung nach Abschaffung, Eindämmung oder Ächtung komplementärmedizinischer Verfahren nur eine verirrte Meinung weniger Wirrkopfe sei. Sie mag eine Minderheitenmeinung sein, aber sie verbündet sich strukturell mit der Macht der Schule, vorgebend, es sei die Macht der Vernunft. Zudem verbündet sie sich publizistisch mit einer vorgeblich kritischen Presse die aber, wenn man genauer hinsieht, reaktionäre Denkmodelle bedient und absichtlich oder unabsichtlich Machtstrukturen derer zementiert, die am liebsten alles beim Alten lassen würden.” (Forsch Komplementmed 2012;19:176–178)
 Leider hat sich nun auch noch die sonst hochseriöse F.A.Z. auf dieses Niveau begeben.

Meta-Analysen zur Homöopathie sind negativ, weil 90 % der Daten ausgeschlossen werden.



Meta-Analysen zur Homöopathie kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, wie die eingeschlossenen Studien selektioniert werden. Eine neue Übersichtsarbeit in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“  von Prof. R. G. Hahn  unter dem Titel „Homeopathy: Meta-analysis of pooled clinical data“ (Band 20 ( 5), 2013; 376-381) verhilft hier zu mehr Klarheit.
Der Autor ist ausgewiesener Forscher und Professor für Anästhesie und Intensivmedizin an der Universität von Linköping und Verfasser einiger hunderter wissenschaftlicher Arbeiten im Bereich der Anästhesie und Intensivmedizin, außerdem ausgezeichnet durch mehrere Forschungspreise. Und – er hatte bislang rein gar nichts mit Homöopathie zu tun.
Offensichtlich motiviert durch eine Auseinandersetzung um die wissenschaftlicher Beurteilung um Homöopathie im Internet, hat Hahn hat die bisherigen Meta-Analysen zur Homöopathie kritisch geprüft und kommt dabei zu interessanten  Ergebnissen:
Zur Schlussfolgerung, dass Homöopathie  klinisch nicht wirksam sei, kann man nur kommen, wenn man 90 % aller klinischen Studien zur Homöopathie ignoriert und nicht auswertet!
Insoweit sei, so Hahn, die Meta-Analyse von Linde et al. (Lancet 1997; 350: 834-843) noch immer die beste aller Meta-Analysen zur Homöopathie. Sie zeigt insgesamt eine Odds Ratio von 2,45 zu Gunsten der Homöopathie.
Spätere Meta-Analysen kommen deshalb zu negativen Schlussfolgerungen, weil sie  in sehr großem Umfang Studien-Daten ausschließen. Dabei werden die Gründe für den Ausschluss großer Mengen an Daten meist nicht ausreichend begründet. In der Analyse von Shang et al. (Lancet 2005; 366: 726-732) wurde zum Beispiel das Gesamtergebnis für die eingeschlossenen 110 Studien zur Homöopathie gar nicht berichtet, das Ergebnis beruht schlussendlich nur auf der Analyse von 8 Homöopathie-Studien, deren Identität und Auswahl in der Originalpublikation nicht einmal genannt werden. Außerdem eigne sich die hier angewandte Methode des „Funnel-Plots“ gar nicht für die Analyse heterogener Datensätze,  so Prof. Hahn: „Applying funnel plots to a heterogeneous mix of remedies and diseases is another example of playing around with data“.
Häufige Falschaussagen zur Homöopathie-Forschung sind laut Hahn:
  1. „Homöopathie ist unzureichend erforscht.“ – Falsch, denn die Anzahl der RCTs zur Homöopathie ist sehr groß, sogar höher als zu vielen Therapien in der konventionellen Medizin.
  2. „Es gibt keine einzige positive Homöopathie-Studie“ – Falsch, denn der größte Anteil aller Homöopathie-Studien zeigt signifikant positive Effekte.
  3. „Die Qualität der Homöopathie-Studien ist gering“ – Falsch, denn dies wurde in zwei Arbeiten gut untersucht und widerlegt.
  4. „Die Meta-Analysen/Reviews von Ernst und Shang zeigen zweifelsfrei, dass Homöopathie Betrug und Humbug ist“ – falsch, denn nur eine starke Selektion der Daten kann zu dieser Aussage führen, die Gesamtdatenlage zeigt statistisch eine Wirksamkeit.
Prof. Hahn fordert, dass Evidenz immer auf Basis der Datenlage objektiv evaluiert werden muss, bevor klinische Empfehlungen ausgesprochen werden.  Im Fall der Homöopathie sieht er dieses Prinzip verletzt, er erkennt eine Evidenz-Verzerrung auf der Basis ideologischer Motive, dies erläutert er z.B. am Beispiel des Reviews von Edzard Ernst (Br J Clin Pharmacol 2002; 54: 577-582).
Aus Sicht von Prof. Hahn könnte die Homöopathieforschung in Zukunft  sinnvoll durchgeführt werden, indem Meta-Analysen zu klar fokussierten klinischen Fragestellungen durchgeführt und  Homöopathie in klinischen Studien nicht nur mit Placebo, sondern auch mit konventionellen Therapien verglichen werden.
Kommentar:
Die Evaluationsmethoden der Evidenzbasierten Medizin sollten natürlich auch auf Komplementärmedizin und Homöopathie angewendet werden. Allerdings sollte dieser Prozess fair sein und den allgemeingültigen Regeln der wissenschaftlichen Praxis folgen. Dieses Prinzip sieht Prof. Hahn am Beispiel der Homöopathie Meta-Analysen verletzt. Besondere Bedeutung erhält diese Einschätzung dadurch, dass der Autor Professor für Anästhesie und Intensivmedizin und kein Homöopath ist und sich in mehreren hunderten wissenschaftlichen Publikationen (unter anderem Reviews) bisher nicht mit der Homöopathie beschäftigt hat.
Der kritische Punkt der Meta-Analysen zur Homöopathie ist, welche Studien zur Analyse eingeschlossen werden und wie diese ausgewählt werden. In diesem Kontext dürfen wir auf die Ergebnisse einer Neubewertung der 263 klinischen Studien zur Homöopathie durch eine Arbeitsgruppe um R. T. Mathie (Homeopathy 2013; 102: 3-24) sehr gespannt sein, die im kommenden Jahr erwartet wird.
Andere Schlüsse ziehen daraus übrigens die Protagonisten der “Skeptikerbewegung”: Weil sich die Homöopathie nämlich zunehmend auf klinische Evidenz beriefe, dürfe man einfach keine Homöopathieforschung mehr erlauben! Hier wird nun versucht, das Konstrukt der „Scientabilität“ einzuführen: Wenn die klinische Forschung eine Wirksamkeit der Homöopathie zeige, dürfe man eben einfach keine Homöopathiestudien mehr durchführen, denn die Homöopathie sei grundsätzlich nicht plausibel. Somit müsse die Homöopathie a priori von der Evidenzbasierten Medizin und wissenschaftlichen Forschung ausgeschlossen werden. Dies ist ein aktuelles und trauriges Beispiel dafür, wie Ideologie der wissenschaftlichen Erkenntnis vorgeschaltet wird.
Wirklich gute wissenschaftliche Praxis wäre es dagegen, plausible Hypothesen für die beobachteten Phänomene zu entwickeln und Theorie auf der Basis von Daten aus wissenschaftlichen Beobachtungen zu entwickeln.


Nanopartikel und homöopathische Arzneiherstellung 

Teil 2 der Serie zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell
Es wäre schon ein Treppenwitz der Medizingeschichte sollte sich in weiteren Untersuchungen bestätigen, dass bei der homöopathischen Arzneiherstellung tatsächlich Nanopartikel entstehen.
Frau Bell ist davon überzeugt, sie zieht auf der Basis der Studien von Chikramane, in denen in homöopathisch zubereiteten Substanzen Nanopartikel der Ausgangssubstanz gefunden wurden, Parallelen zwischen dem was Hahnemann in seinen Angaben zur Arzneizubereitung beschreibt und was heute bei der Herstellung von Nanopartikeln geschieht.
Bei der homöopathischen Arzneizubereitung werden die Ausgangssubstanzen entweder von Hand oder mit Maschinen unter Zugabe einer definierten Menge Milchzucker bis zur C3 verrieben, bei Pflanzen kommen auch Urtinkturen als Lösungen zum Einsatz. Anschließend erfolgt die stufenweise Verschüttelung der als Lösung aufbereiteten C3 Potenz bis zur gewünschten Potenzstufe.
Bei den modernen Herstellungsverfahren von Nanopartikeln gibt es grundsätzlich zwei verschiedenen Methoden: Beim „Top- Down“ (von oben nach unten) Verfahren werden durch Mahlprozesse die Ausgangsmaterialen bis auf Nanopartikelgröße (Zumindest in einer Dimension < 100 nm) verkleinert, beim „Bottom- Up“ (von unten nach oben) Verfahren durch chemische Prozesse gezielt aus Atomen bzw. Molekülen komplexere Strukturen aufgebaut.
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Herstellungsverfahren von Nanopartikeln. Quelle: (2)
Beim „Top- Down“ Verfahren kommen Hochenergie- Kugelmühlen, manchmal auch zusätzlich chemische Verfahren zur Anwendung. Die Mühlen sind rotierende Trommeln, die mittels Kugeln die Ausgangssubstanz verkleinern. Sie sind für metallische und keramische Nanomaterialen geeignet und die gröbere Form der Herstellung, die Partikelform ist kaum zu kontrollieren, die Verteilung der Partikelgröße groß. Frau Bell, die sich auf das „Top-Down“ Verfahren bezieht, geht davon aus, dass diese Diversität der Partikelgröße auch in homöopathischen Arzneien auftritt. Dies sei ein möglicher Grund für so unterschiedliche Wirkungen von gleichen Potenzen homöopathischer Substanzen in der Grundlagenforschung, da bereits kleine Unterschiede der Form unterschiedliche Eigenschaften zur Folge haben können.
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“Top-Down” Herstellung von Nanopartikeln.
Quelle (2)
Nanopartikel unterscheiden sich laut Bell durch ihre im Vergleich zum Volumen relativ große Oberfläche von der Ausgangssubstanz in Bezug auf ihre mechanischen, chemischen, optischen, thermischen, elektrischen, magnetischen, biologischen und Quanteneigenschaften. Sie würden leicht andere Nanopartikel absorbieren, aber auch Substanzen wie Kräuter, Arzneien, DNA und Proteine auf ihrer Oberfläche, was in der modernen Nanotechnologie ein vielfältiges Verwendungsspektrum zur Folge hat.
Sie könnten leicht biologische Membranen durchdringen und dadurch in Zellen in allen Körperbereichen gelangen. Dies würde eventuell erhebliche Dosisreduktionen bei Arzneien, Kräutern, Nahrungsmitteln oder Impfungen ermöglichen. Silikate, die in wässrigen homöopathischen Lösungen aus Glasherstellung vorhanden sind, seien zudem ein herkömmliches Material um als Nanopartikel ein Vehikel für Arzneien zu bilden.
Frau Bell zitiert in Bezug auf das oben dargestellte den § 269 des Organons von Hahnemann in einem ihrer Artikel, was wir hier in Auszügen auch tun möchten:
„Die homöopathische Heilkunst entwickelt … – durch eine ihr eigentümliche, bis zu meiner Zeit unversuchte Behandlung – die inneren, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen bis zu einem früher unerhörten Grad. … Diese merkwürdige Veränderung der Eigenschaften der Naturkörper geschieht durch mechanische Einwirkung auf ihre kleinsten Teile – durch Reiben und Schütteln-, während sie durch Dazwischentreten einer indifferenten Substanz trockener oder flüssiger Art voneinander getrennt sind. Sie entwickelt die latenten dynamischen … Kräfte, die vorher unmerklich, wie schlafend in den Naturkörpern verborgen waren …“ (1)
Fazit für diesen Teil des Models von Bell wäre aus unserer Sicht, dass durchaus Parallelen zwischen homöopathischer Arzneiherstellung und dem „Top-Down“ Verfahren der Nanopartikelherstellung vorliegen, ohne die technischen Details beurteilen zu können. Es wäre wünschenswert, dass weitere Untersuchungen sich mit der Frage des Auftretens von Nanopartikeln in homöopathischen Arzneien beschäftigen.
Im nächsten Beitrag zum Thema wird der Frage nachgegangen, wie die geringe Menge der Nanopartikel der Ausgangssubstanz in homöopathischen Arzneien in einer therapeutischen Art und Weise wirken könnten.
Literatur
(1) Hahnemann, Samuel: Organon der Heilkunst. Neufassung mit Systematik und Glossar von Josef M. Schmidt. Elsevier Verlag, München 2003
Abbildungen und Infos zum Nanopartikel Herstellungsverfahren aus:
(2) Raab, C et al.: Herstellungsverfahren von Nanopartikeln und Nanomaterialien. nano trust dossiers. 6, Nov. 2008 
Zu den Artikeln von Bell und Chikramane siehe Literatur von Teil 1      

Homöopathie in Web 2.0 – Claus Fritzsche im Interview 

Claus Fritzsche
Claus Fritzsche
Wiedergabe des Interviews mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung.
AHZ: Sehr geehrter Herr Fritzsche, Sie arbeiten als Journalist und gehören als Web-2.0-Experte zu den wenigen, die als Fürsprecher der Komplementärmedizin im Internet aktiv sind. Woher stammt Ihr Interesse an Homöopathie und Komplementärmedizin?
Claus Fritzsche: Oh, das lässt sich nicht in 3 Sätzen sagen. Es sind zunächst einmal eigene − spektakuläre − therapeutische Erfahrungen, die Freude am Medium Internet und an kontroversen Diskussionen. Ich habe auch eine Affinität zu hochkomplexen und teils verworren wirkenden Themen. Es macht mir Freude, Komplexes zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. Was das letzte Motiv angeht, so ist das die Marktnische, in der ich mich bewege. Es gibt viele gute Journalisten, die Wissenschaft packend und spannend schildern. Es gibt auch viele Forscher, die über ein hohes Maß an Fachwissen verfügen und Sachverhalte präzise darstellen. Beide Welten finden jedoch oftmals nicht zueinander, weil es − so mein Eindruck − vielen Wissenschaftlern schwerfällt, allgemeinverständlich zu kommunizieren, und weil nur wenige Journalisten mit dem Talent gesegnet sind, komplexe Themen, zu denen sie sich äußern, auch tatsächlich fachlich und geistig zu durchdringen. Ich habe Freude daran, hier Brücken zu bauen.
AHZ: Sie haben bis 2013 für den DZVhÄ das DZVhÄ Homöopathie.Blog redaktionell betreut. Wie waren Ihre Erfahrungen damit?
Claus Fritzsche: Ambivalent, um es ganz ehrlich zu sagen. Zunächst einmal ist der DZVhÄ als Verband die Autorität schlechthin, wenn es um Fragen der ärztlichen Homöopathie geht. Und zwar sowohl was das fachliche Wissen, die praktische therapeutische Erfahrung als auch die Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit angeht. Das hat dem Blog viel Rückenwind geschenkt. Ein wichtiges Ziel des Blogs wurde hingegen nicht oder nur rudimentär erreicht: Es ging sowohl dem DZVhÄ als auch mir darum, im Internet einen fachlichen Dialog zwischen Wissenschaft und Homöopathie anzuregen. Genau wie es beispielsweise in meinen Interviews mit dem Physiker Dr. Stephan Baumgartner oder mit dem Biometriker Rainer Lüdtke ganz gut gelungen ist. Solche auf hohem fachlichem Niveau geführten Interviews kosten jedoch Geld, das zum Schluss nicht mehr zur Verfügung stand.
AHZ: Die Homöopathie wird im Internet vorwiegend von sogenannten „Skeptikern“ angegriffen. Wer versteckt sich hinter dem Begriff „Skeptiker“?
Claus Fritzsche: Das hat der Heidelberger Soziologe Dr. Edgard Wunder auf seiner inzwischen leider nicht mehr aktuellen Webseite www.skeptizismus.de fundiert erklärt. Sogenannte Skeptiker sind eine interessante Weltanschauungsgemeinschaft, die historisch als komplementäres Gegenstück zur New-Age-Bewegung entstand und in der seit ca. 5 Jahren atheistische Fundamentalisten den Ton angeben. Dieser Ton ist streng dogmatisch, zuweilen auch militant, selten gut gelaunt. In der „Skeptiker“-Bewegung, wie sie heute überwiegend im Internet ausgelebt wird, zeigen sich viele Verhaltensweisen, die denen von Fundamentalisten oder sogar politischen Extremisten sehr ähnlich sind. Alles dreht sich um Feindbilder und deren Bekämpfung. Ein wertschätzender und konstruktiver Dialog mit Andersdenkenden findet nicht statt. Die Art, wie Feindbilder bekämpft werden, ähnelt stark den Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensweisen, die auch am äußersten politischen Rand − ob nun rechts oder links − etabliert sind, oder in dogmatischen ideologischen Gruppierungen. Ganz platt gesprochen versuchen „Skeptiker“, den Teufel mittels Beelzebub auszutreiben.
AHZ: Sie haben im Lauf der letzten Jahre umfassendes Wissen über die „Skeptiker“-Szene gesammelt. Können Sie etwas aus dem Nähkästchen plaudern, damit sich unsere Leser ein Bild von den Aktivitäten dieser Bewegung machen können?
Claus Fritzsche: Es gibt speziell 2 Aspekte, die ich interessant finde, die mit dem Internet zu tun haben und die einen Lern- bzw. Wachstumsimpuls vermitteln können. Das Internet bietet kleinen Gruppen die Möglichkeit, sich wie eine große Volksbewegung darzustellen. Wenn 80 Millionen Bürger schweigen, dann können schon 30 000 Twitter-Kurzmitteilungen von 20 Aktivisten mit jeweils 100 sogenannten Followern die Illusion einer großen Bewegung vermitteln. Das ist spannend. Es benötigt tatsächlich nur relativ wenige Aktivisten, die sich gut vernetzen und über mediale Steigbügelhalter in namhaften Redaktionen verfügen. Dieses Spiel beherrscht die „Skeptiker“-Bewegung exzellent. Sie verfügt über willige „journalistische Helfer“ in den Redaktionen von Stern, ZEIT, SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung, 3sat, ZDF, Heise-Verlag etc., die rund um ideologisch aufgeladene Themen oftmals Meinungs- und Gesinnungsjournalismus betreiben. Überall dort, wo mit diesen Mechanismen gearbeitet und manipuliert wird, erinnert der Vorgang an das Aufblasen eines großen Luftballons, den man mit einem kleinen Nadelstich zum Platzen bringen kann. Es reicht aus, sich ebenfalls im Internet zu vernetzen und die manipulativen Mechanismen ganz einfach nur transparent zu machen. Damit verliert der Spuk seine „Zauberkraft“. Das geschieht jedoch viel zu selten, meist aus Sorge, in destruktive Auseinandersetzungen verwickelt zu werden. Die Kunst besteht meines Erachtens darin, Debatten aktiv und konstruktiv zu führen.
AHZ: Und welchen zweiten Aspekt finden Sie interessant?
Claus Fritzsche: Die Aktivitäten der „Skeptiker“-Szene haben meiner Meinung nach auch einen konstruktiven und sehr erfreulichen Effekt. Zur Strategie von Vereinen wie zum Beispiel der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e. V. gehört es, sich in der Öffentlichkeit als Gruppe darzustellen, die zweifelhafte Angebote und Ideologien mit wissenschaftlichem Anspruch hinterfragt. In der Praxis macht sie das nicht wirklich. Der große Bluff des Vereins GWUP fällt jedoch deshalb oftmals nicht auf, weil es tatsächlich eine ganze Menge zweifelhafter Angebote und Ideologien gibt, die von „Skeptikern“ vollkommen zu Recht infrage gestellt werden, und weil es unter Ärzten, Heilpraktikern, Verbänden, aber auch unter selbsternannten Experten und Universalgelehrten zu viele Menschen gibt, die mit Wissenschaft und wissenschaftlicher Forschungsmethodik auf Kriegsfuß stehen. Es gibt meines Wissens nur sehr wenige professionell gemachte Webseiten, die Aspekte der Homöopathieforschung seriös, fachlich fundiert und ohne schönfärbende oder PR-Elemente kommunizieren. Gäbe es mehr solcher Webseiten und würden Ärzte, Heilpraktiker, Verbände etc. regelmäßig auf solche Webseiten verweisen, sich aktiv und ergebnisoffen mit Forschungsfragen auseinandersetzen, dann würde sich daraus ein konstruktiver und effektiver Dialog auf Augenhöhe entwickeln, von dem alle Seiten profitieren könnten.
AHZ: Gibt es nicht eine ganze Reihe von Webseiten mit Informationen zur Homöopathieforschung?
Claus Fritzsche: Aus meiner Sicht findet eine aktive und ergebnisoffene Auseinandersetzung mit Forschungsfragen unter Homöopathen nur ganz selten statt. Oftmals sind Kommentare zu und Verweise auf Studien selektiv und fachlich nicht qualifiziert. Sie dienen in erster Linie der Rechtfertigung und Schönfärberei. Nichts anderes geschieht in der „Skeptiker“-Szene, hier nur mit negativen Vorzeichen.
AHZ: Sie werden auch häufig persönlich angegriffen. Wie kommen Sie damit zurecht?
Claus Fritzsche: Indem ich es nicht persönlich nehme und es als eine Realität des Internets akzeptiere. Der Blogger Sascha Lobo hat das Phänomen, um das es hier geht, treffend kommentiert („Netzhass ist gratis“, SPIEGEL ONLINE, 04.12.2012). Wer sich im Netz exponiert, der wird laut Sascha Lobo leicht zum Objekt von Menschen, die nicht mit dem Herzen kommunizieren und denen gewisse soziale Grundtechniken fremd sind. Hinzu kommt die alte Regel: „Wer austeilt, der muss auch einstecken können.“ Ich nehme im Netz ja auch kein Blatt vor den Mund und liebe die klare Aussprache. Das provoziert natürlich Reaktionen, für die ich selbst verantwortlich bin.
AHZ: Was kann die Homöopathie aus Ihrer Sicht tun, um ihr Standing in der Öffentlichkeit und besonders im Internet zu verbessern?
Claus Fritzsche: Ich vermute, homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilpraktiker könnten ihre Position im Internet relativ schnell nachhaltig verbessern, wenn sie 3 Dinge machen würden, die ihnen bisher eher fremd sind:
1. Sie sollten dankbar für die Onlineaktivitäten der „Skeptiker“-Szene sein und anerkennen, dass sie von dieser Bewegung − trotz aller Destruktivität und vieler Übertreibungen − eine Menge lernen können. Die „Skeptiker“-Szene zeigt an, dass es hier irgendwo brennt. In solchen Fällen ist es wenig sinnvoll, sich über den Feuermelder zu beklagen oder diesen zu ignorieren. Besser wäre es, das Feuer zu löschen.
2. Sie sollten sich aktiv, fundiert und ergebnisoffen mit Wissenschaft, Forschungsmethodik, Studienlage, Wissenschaftskommunikation etc. beschäftigen und aufhören, die Öffentlichkeit mit ein paar Standardphrasen abzuspeisen. Dass „es wirkt“ und die „Wissenschaft mehr forschen muss“, ist im Jahr 2013 keine überzeugende Antwort mehr. Die Forschungslage sieht für die Homöopathie gar nicht so schlecht aus. Warum sind Homöopathen nicht in der Lage, das auch zu kommunizieren?
3. Sie sollten nach einem authentischen Weg suchen, um das Internet aktiver und professioneller als bisher zu nutzen und sich im Internet zu vernetzen. Google belohnt Aktivität und Vernetzung und bestraft Inaktivität und Einzelgängertum.
AHZ: Ende 2011 ist Ihr Weblog CAM Media Watch online gegangen. Worum geht es hier?
Claus Fritzsche: CAM Media.Watch ist, wie der Name schon sagt, ein Watchblog. Es analysiert Medienbeiträge zu CAM-Themen, überprüft als Fakten ausgegebene Behauptungen und spricht bei Bedarf auch journalistische Missstände an − spricht hier Klartext.
AHZ: Herr Fritzsche, wir danken Ihnen für das Interview!
Claus Fritzsche wurde 1964 in Marl, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach Abschluss eines BWL-Studiums und langjähriger Tätigkeit in der Industrie (Vertrieb & Marketing) arbeitet er seit 2003 als freier Texter, seit 2009 zusätzlich als Medizin- und Wissenschaftsjournalist. Sein Markenzeichen: hoch komplexe Sachverhalte leicht verständlich auf den Punkt bringen. Als Medizin- und Wissenschaftsjournalist hat sich Fritzsche auf die Themen Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht, Komplementärmedizin und Forschung sowie Grenzbereiche der Psychologie spezialisiert. www.claus-fritzsche.de
         
       

Medizin = Placebo ? 


Eine neue Metaanalyse untersucht die Daten aus 152 randomisierten dreiarmigen Studien, in denen medizinische Therapien (unterschiedlichste Therapien, darunter neben konventionellen auch komplementärmedizinische Therapien) gegen Placebos und gegen keine Therapie verglichen wurden.
Insgesamt wurden in diese Metaanalyse mehr als 12.000 Patienten eingeschlossen.
Werden die Effekte von Placebos gegen keine Therapien mit den Effekten von Therapien gegen keine Therapien miteinander verglichen, weisen Placebos und Therapien ähnliche Effektstärken auf. Dies gilt insbesondere für stetige Merkmale (continuous outcomes). Ein Merkmal ist stetig (kontinuierlich), wenn sich in einem beschränkten Intervall der reellen Zahlen unendlich viele Ausprägungen (überabzählbar viele) befinden. Dies betrifft viele Messwerte, die insbesonder subjektiv erfragt werden, z.B. die Intensität von wahrgenommenen Schmerzen auf einer Skala von 0-100 mm (Visuelle Analogskala). Für Studien mit binären Merkmalen (z.B. ja/nein oder krank/gesund) konnte ein Unterschied zwischen den Wirkungen von Therapien und Placebos gezeigt werden.
Das ernüchternde Resultat: Die Medizin ist in der Summe der Fälle nicht viel besser wirksam als Placebointerventionen.
Das ermutigende Resultat: Mit Placebos kann man ähnlich gute Therapieeffekte erzielen wie mit “echten” Therapien.
Verliert nun die Medizin an Evidenz oder gewinnt das Placebo an Evidenz?

“Enough ‘homeopathy is nonsense’ nonsense….”

In diesem ausgesprochen lesenswerten Beitrag im British Medical Journal nimmt Lionel R. Milgrom Stellung zur Evidenz der Homöopathie innerhalb der Evidenzbasierten Medizin. Zum Beitrag.

Die historische Entwicklung des Hahnemann’schen Hochpotenzkonzeptes – ein Interview mit Silvia Waisse 

Ein lesenswertes Interview mit der braslilianischen Medizinhistorikerin S. Waisse über das Thema, wie Hahnemann vor 200 Jahren das Hochpotenzkonzept entwickelte, und was dies für heute bedeutet: Zum Beitrag in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung.
    

Gesundheitsökonomische Studien zur Homöopathie – ein aktuelles Review 

Ist Homöopathie kostengünstiger als konventionelle Medizin? Diese Fragestellung ist erst seit wenigen Jahren aktuell. Für einen Überblick zu diesem Thema haben Petter Viksveen und Kollegen von der Universität Sheffield eine umfangreiche Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken durchgeführt und durch direkte Anfragen bei Ärzten und Wissenschaftlern ergänzt. Es konnten 14 Studien identifiziert werden, die sich mit der Kosteneffektivität der Homöopathie befassen. Insgesamt waren 3512 Patienten in alle Studien eingeschlossen. 8 Studien bezogen sich auf klassische Homöopathie, 3 Studien auf Komplexmittel, in den übrigen Studien befanden sich keine konkreten Angaben zur angewandten Methode.
Viksveen et al kommen zu folgendem Ergebnis: 8 Studien konnten sowohl positive Effekte betreffend die Gesundheit der Patienten als auch Kosteneinsparungen durch Homöopathie zeigen; 4 Studien zeigten eine Besserung der Beschwerden bei vergleichbaren Kosten; 2 Studien zeigten eine mit einer konventionellen Therapie vergleichbaren klinischen Besserung, jedoch höhere Kosten. Die Kosten bei der homöopathischen Behandlung betrafen generell die direkten Therapiekosten des Arztes in der Sprechzeit, Arzneimittel spielten eine untergeordnete Rolle.
Die Aussagekraft der vorliegenden Daten wird allerdings eingeschränkt durch die Heterogenität der Studien und unterschiedliche methodische Schwächen, die die Autoren im Detail für jede Einzelstudie diskutieren. So lag beispielsweise der Zeithorizont zwischen 12 Stunden (!) und 9 Jahren. Ganz unterschiedliche Diagnosen wurden behandelt: Infektionen der Atemwege, Otitis media, Sinusitis, Asthma, Ekzeme und andere. Die Vergleichbarkeit der Studien ist außerdem durch unterschiedliche Kalkulationen der Kosten im Detail erschwert: nur wenige Studien bezogen etwa Krankenhauskosten mit ein, auch Fahrtkosten zum Arzt oder durch Krankheit entstandene Fehlzeiten am Arbeitsplatz wurden nicht durchgehend evaluiert.
Immerhin, 8 von 14 Studien zeigen signifikante Kosteneinsparungen durch die Homöopathie. Dennoch müssen die Autoren aufgrund der aktuellen, noch relativ dünnen Datenlage im Bereich der gesundheitsökonomischen Evaluationen schlussfolgern, dass derzeit keine endgültigen Schlüsse über die Kosteneffektivität der Homöopathie gezogen werden können.
Quelle
Viksveen P, Dymitr Z, Simoens S: Economic evaluations of homeopathy: a review. Eur J Health Econ. 2013 Feb 10. [Epub] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23397477

Homöopathie versus Evidenzbasierter Medizin ?

Der klinische Psycho­loge, Philo­soph und Wissen­schafts­his­toriker Prof. Dr. Dr. Harald Walach ist Professor für For­schungs­methodik komple­mentärer Medi­zin und Heil­kunde und Leiter des Instituts für trans­kulturelle Gesund­heits­wissens­chaften (IntraG) an der Europa-Uni Via­drina Frank­furt (Oder). Hier ein Auszug aus einem seiner neuesten Aufsätze:
"Die Cochrane Collaboration ist die Speerspitze der EBM (evidenz-basierte Medizin) und der medizinischen Aufklärung. Sie führt – selbstgesteuert und ohne finanziellen Einfluss – systematische Reviews und Übersichtsarbeiten auf höchstem Niveau durch. El Dib und Kollegen haben sich nun zufällig 1016 solcher Reviews aus dem damaligen Bestand gegriffen und die simple Frage gestellt: wie viele dieser Reviews geben klare Informationen, haben also eindeutige Schlussfolgerungen?
Das Ergebnis:
bei 2,0 % ist klar, dass die Intervention schädlich ist (nein, die Homöopathie gehört nicht dazu).
bei 1,4 % ist klar, dass die Anwendung gut und nun wissenschaftlich eindeutig belegt ist.
43,0 % der Reviews meinen, die Intervention sei vermutlich hilfreich, es sei aber nicht klar,
und bei 48,0 % sei es unklar und man solle weiterforschen.
Anders gesagt: nur bei 3,4 % aller Interventionen hat die bisherige Forschungsanstrengung eine klare Aussage möglich gemacht. Bei den restlichen gut 96 % tappen wir im Dunkeln und haben eben genau keine wissenschaftliche „Evidenz“.
Was ist dieses Dunkle, in dem wir da tappen? Lateiner vor! Richtig: occultas oder occultum, das Dunkle, Verborgene – das Okkulte. Wenn also irgendwas in der Medizin „okkult“ ist, dann die Wahrheit darüber, was wirklich hilft. So zu tun, als hätte die Wissenschaft schon längst Licht ins Dunkel gebracht und nur die „ewig gestrigen okkulten Homöopathen“ wüssten das noch nicht, ist letztlich Okkultismus im Quadrat. Weil diese Meinung sich nämlich besonders aufgeklärt gebärdet und dabei die wahre Situation verschleiert.
Und wie sieht es mit der angeblich so „okkulten Homöopathie“ aus? Dazu kann man einen interessanten Brief meines Kollegen Lionel Milgroms jüngst im BMJ lesen: Er schreibt, dass derzeit 156 klinische, randomisierte Studien zur Homöopathie existieren, von denen 41 % positive Ergebnisse hatten, 7 % negative, und 52 % keine Schlußfolgerungen zuließen.
Vergleicht man diese Datenlage mit der oben zitierten Studie, so steht die Homöopathie in keinem schlechten Licht. Die Homöopathie ist wissenschaftlich etwa genauso gut oder schlecht belegt, im Dunkeln, „okkult“, wie die untersuchten konventionellen Interventionen. "